Serien versus Bücher

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich weniger Bücher lese, seit es Serien gibt 🙈🙉🙊 Geht es euch auch so? 

Weniger Bücher, mehr Serien

Vielleicht ist das gar nicht schlimm, denn gute Serien sind fast wie Bücher. Man kann in die Handlung und die Charaktere richtig eintauchen. Auf Grund der Länge von Serien können sich Charaktere und Handlung viel detaillierter entwickeln als zum Beispiel in Filmen. Eine Serie nimmt dadurch allerdings auch unglaublich viel Zeit in Anspruch.

Die Serie Orange Is the New Black hat pro Staffel 13 Episoden à 55 Minuten. Das sind fast 12 Stunden; für eine Staffel!  Das Buch Freedom von Jonathan Franzen hat 706 Seiten. Bei einer Lesegeschwindigkeit von einer Minute pro Seite sind das ebenfalls fast 12 Stunden. Eine Staffel = Ein Buch.

Trotz der vielen Zeit, die ich mit Serien verbringe – wer kennt nicht das sonntägliche Binge Watching – inspirieren mich Serien genauso wie Bücher.

Momentan kommen die besten Serien den USA. Leider habe ich noch keine deutsche Serie gefunden, die an dieses Niveau herankommt. Auch wenn es einige gibt, die sehr gut sind, zum Beispiel Blochin.

Ich bin jedenfalls gleichermaßen von Büchern und Serien fasziniert und deswegen stelle ich euch meine Top 3 Serien UND Bücher zum Thema Freiheit und Selbstbestimmung vor:

 

Broad City (Comedy Central, 2014- heute)

Es geht um zwei Frauen Anfang 20 in New York, die kein Blatt vor den Mund nehmen und immer wieder in schräge Situationen kommen. Die Jobsituation der beiden ist eine Parodie auf unsere heutige Arbeitswelt. Die Protagonistin Ilana lässt sich nicht davon beirren, was andere von ihr denken und handelt nach ihrer eigenen Logik. Durch ihre unkonventionelle Art macht sie deutlich, wie unsinnig manche Konventionen sind und wie prüde wir teilweise sind. Ich will aber nicht zu viel verraten, weil es echt witzig ist. Abby ist zwar die scheinbar Vernünftigere, wird aber immer wieder mitgerissen. Meistens enden die vermeintlich unvernünftigen Entscheidungen dann jedoch in etwas viel Besserem. Viel Sex, viel Drogen und viele lustige Szenen! Eine klasse Sitcom!

 

The Corrections, Jonathan Franzen

 Eine Familiengeschichte aus der Perspektive der verschiedenen Familienmitglieder. Die einzelnen Protagonisten fallen immer wieder in ihre Verhaltensmuster zurück, aus denen sie sich auch scheinbar nicht befreien können. Franzen ist ein Meister darin, detaillierte Charaktere zu entwerfen, bei denen man sich in die Handlungen der Einzelnen sehr gut hineinversetzen kann. Man fragt sich trotzdem immer wieder: Warum machen sich alle das Leben so schwer? Warum brechen sie nicht aus? Der schwarze Humor und die Situationskomik machen das Buch zu einer sehr guten Tragikomödie.

 

The Crown ( Netflix, 2016- heute)

Eine Serie über die junge Queen Elizabeth II. Claire Foy ist eine grandiose Schauspielerin, die den Charakter der Queen in jungen Jahren wunderbar darstellt. Es wird deutlich, wie sehr die Queen durch Traditionen und kirchliche sowie parlamentarische Regelungen fremdbestimmt wird. Kaum eine Entscheidung kann sie alleine treffen. Selbst als ihr Mann Flugstunden nehmen will, muss das Parlament zustimmen. Es ist faszinierend mit anzusehen, wie Queen Elizabeth lernt in einer komplett männerdominierten Regierung ihren Weg zu finden und wie sie es schafft, nicht nur als Queen, sondern auch als Person respektiert zu werden. Geschichtlich ist es auch sehr akkurat dargestellt.

 

Kafka am Strand, Haruki Murakami

Die Geschichte eines Teenagers, der von zu Hause abhaut um einer Prophezeiung zu entfliehen. Dieses Werk hat viele surreale Handlungen und Charaktere, wie es für Murakami typisch ist. Die sprechenden Katzen kommen einem da schon fast normal vor. Bücher, Geschichten und Anspielungen auf große literarische Werke spielen eine zentrale Rolle. Ein Großteil der Handlung spielt in einer Bibliothek und das Thema des Lesens zieht sich durch das ganze Buch. Es geht um Abenteuer, Prüfungen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Schließlich taucht sogar noch ein Surfer auf 😎

 

 Orange is the New Black (Netflix, 2013 – heute)

Am Anfang der Serie geht es darum, wie es für ein Mittelklasse- Mauerblümchen in einem Frauengefängnis in den USA ist. Später rückt die Protagonistin Piper immer mehr in den Hintergrund. Pro Episode wird das Schicksal einer Insassin gezeigt. Auch hier ist spannend, wie sich die Charaktere von Staffel zu Staffel wandeln und verändern. Freiheit spielt natürlich eine zentrale Rolle: Wie gehen die einzelnen Personen mit dem Freiheitsentzug um und wie holen sie sich einen Teil ihrer Freiheit wieder. Außerdem werden die Missstände, die Korruption und der Machtmissbrauch in US-Gefängnissen thematisiert.

 

Finnisches Feuer, Johanna Sinisalo

Sinisalo entwirft mit diesem Buch eine dystopische Gesellschaft in Finnland, wo sich ein frauenverachtendes Regime etabliert hat. Frauen werden in verschiedene Kategorien aufgeteilt; je nachdem ob sie dem vorherrschenden Ideal der Frau entsprechen oder nicht. Für die Frauen dreht sich alles nur noch um die „Paarbildung“. Außerdem gibt es eine neue Droge: das im Chili enthaltene Capsaicin; dem auch die Protagonistin erlegen ist. Der Verlust ihrer Schwester und die Geschichte der beiden unterschiedlichen Geschwister sind zentrale Themen des Werkes. Die Autorin stellt Sexismus und Gender auf überspitzte Weise dar, aber man erkennt deutlich die Parallelen zu unserer Gesellschaft. Das Buch ist ein teilweise parodisches Werk, bei dem man trotz der Ernsthaftigkeit des Themas immer wieder lächeln muss.

 

 

 

 

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