Freiheit im Lebenslauf: Familienstand weglassen

Ausgangssituation:

Als ich mich nach meinem Studium beworben habe, schrieb ich naiver Weise in meinen Lebenslauf: Familienstand: ledig, 1 Kind. Ich ahnte nicht, wie laut bei jedem Personaler die Alarmglocken schrillen würden (auch wenn sie gesetzlich gesehen nicht schrillen dürften→ siehe AGG).


Ich bekam viele Absagen. Gut, den Grund kannte ich nicht, aber ich wollte nicht weiter tatenlos hoffen, dass es irgendwann schon klappt.

Allen voran wollte ich nicht, dass Arbeitgeber mich als hilflose, alleinerziehende Mutti sehen, nur weil ich nicht verheiratet bin. Also fing ich an zu googlen. Ich wollte herausfinden, wie ich unsere Familiensituation im Lebenslauf darstellen kann. Wir leben im Wechselmodell und ich kann locker Vollzeit arbeiten und Dienstreisen tätigen.

1. Vorschlag

Ich fand verschiedene Webseiten, die kreativ mit dem Szenario der unverheirateten Mutter umgehen. Es gibt zum Beispiel diese Lösung:

1 Kind (damit keiner denkt, man hat vielleicht 5 Kinder)
geboren am (damit der Personaler weiß, die schlimmsten Kinderkrankheiten sind vorbei)
feste Partnerschaft (Ah, es ist jemand da)
Betreuung gesichert (… und in die Kita geht es auch schon).

Diese Lösung gefiel mir. Es ist gut, wenn man von vornherein ehrlich und offen ist. Allerdings landet man auch schnell bei solch einer Situation:

FamilienstandMal davon abgesehen, dass man viele private Details preisgibt, kann dieser Vorschlag das Wechselmodell nicht darstellen. Dennoch habe ich diese Lösung erst einmal ausprobiert.

Weiterhin erfolglos…

2. Vorschlag

Verschiedene Artikel, zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung und die Seite bewerbungs-tipps schlagen  vor, den Familienstand komplett aus dem Lebenslauf herauszulassen. Vor allem im Hinblick darauf, dass es sowieso eine freiwillige Angabe ist.
Doch wir wissen ja was „freiwillig“ bedeutet wenn es um die Jobsuche geht. Ein Bewerbungsfoto ist auch „freiwillig“ und dennoch fügt es jeder hinzu, wissend, dass man sonst bewusst oder unbewusst aussortiert wird.

Der Fall beim Familienstand ist dennoch ein bisschen anders. Wenn jemand ein Bewerbungsfoto weglässt, wird es negativ ausgelegt, nach den Worten: “Was die wohl zu verbergen hat?“ Lässt man den Familienstand weg, fällt das erst einmal gar nicht so auf. Die meisten denken eher, dass es sich um einen Single handelt, der einfach keinen Familienstand hat.

Warum man den Familienstand weglassen sollte

Ich habe als Personalberaterin mehrfach von Projektleitern gehört: „Also ich weiß, Sie sind selbst Mutter, aber bitte stellen Sie mir keine Mütter mehr ein.“ Oder: „ Also, das ist nicht AGG-konform, aber bitte stellen Sie mir keine Frauen mit kleinen Kindern mehr ein.“ Diese Projektleiter wissen, dass dies moralisch und gesetzlich nicht rechtens ist und machen es trotzdem. Es spricht nichts dagegen, den Familienstand erst einmal wegzulassen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen und zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Warum man den Familienstand reinschreiben sollte

Die Seite Karrierebibel erklärt, dass gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiger Respekt wichtige Voraussetzungen für ein langfristiges Arbeitsverhältnis sind. Karrierebibel geht sogar so weit und empfiehlt ledigen, kinderlosen Frauen folgendes in den Lebenslauf zu schreiben: „Ledig, kein Kinderwunsch vorhanden.“
Selbst bei der Agentur für Arbeit wurde mir geraten, den Familienstand in den Lebenslauf zu schreiben, denn man sollte nicht mit Misstrauen in den Beruf starten.

Das Problem an diesen Argumenten ist, dass die wenigsten Unternehmen fair und ehrlich in ihren Bewerbungsprozessen sind; siehe: Aussagen der Projektleiter. Wie oft werden wohl männliche Bewerber den besser qualifizierten weiblichen Bewerbern vorgezogen?
Man kann es nicht genau wissen, denn offiziell arbeiten alle Firmen AGG-konform. Mir persönlich ist das Risiko zu hoch, nicht mal zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, nur weil ich als unflexible Mutti stigmatisiert werde

Familienstand erst im Bewerbungsgespräch kundtun

Bei meinen letzten beiden Stellen habe ich erst im Bewerbungsgespräch gesagt, dass ich ein Kind habe. Ich hatte allerdings auch ein Bewerbungsgespräch, indem ich gefragt wurde, warum mein Studium ein Jahr länger gedauert hat und ich antwortete: „Weil ich ein Kind bekommen habe“. Die Dame meinte daraufhin nur: „Ah okay danke, wir melden uns dann wieder bei Ihnen. Tschüss.“

Fazit

Schreibt den Familienstand nicht in den Lebenslauf, denn dann könnt ihr selber entscheiden ob ihr zeitlich dazu in der Lage seid, den Job zu machen! Es wird somit nicht für euch entschieden!

Es geht darum, selber zu entscheiden, was man leisten kann. Und wenn mir mal wieder eine 50 -Stunden -Stelle bei einem Start-up angeboten wird, dann entscheide ich mit dem Papa und meinem Partner ob wir in der Lage sind, das zu managen. Aber ich will nicht, dass diese Entscheidung von einem Personaler für mich getroffen wird.

Mittlerweile habe ich mich sogar dafür entschieden, den Familienstand nicht mal im Bewerbungsgespräch zu erwähnen. Ich fange erst einmal an zu arbeiten und wenn mich irgendwann jemand darauf anspricht und verwundert ist, dass ich ein Kind habe, dann sage ich einfach: „Ach, habe ich das nicht erwähnt?  Naja, aber es beeinflusst meine Arbeit sowieso weniger als die des Kollegen, der ständig krank ist.“

 

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