4 Tipps für die perfekte Hochzeit

1. Lade niemanden zur Hochzeit ein

Sobald wir darüber nachgedacht hatten, in welchem Rahmen wir unsere Hochzeit feiern wollen, war schnell klar, dass es kompliziert werden wird, wenn es darum geht, wen wir einladen wollen. Aus dem Wollen wird nämlich schnell ein Sollen. Dadurch, dass die Hochzeit ein einzigartiges Ereignis ist, nimmt jeder an, ein Recht zu besitzen dabei sein zu dürfen. Es sind dann Gäste auf der Liste, mit denen man nichts mehr zu tun hat und auch eigentlich nichts mehr zu tun haben will, auf die man aus familienpolitischer Sicht aber Rücksicht nehmen muss. Klar, kann man auch Abstriche machen und dadurch den nächsten großen Familienstreit hervorrufen. Aber die Ehe soll ja eigentlich nicht gleich mit Drama und Streitigkeiten beginnen. Was also tun?

Der kleine Kreis

Ein Kompromiss ist die Feier im kleinen Kreis – nur mit den engsten Verwandten und Freunden. Allerdings wird das Problem dadurch nicht unbedingt geringer. Das Risiko ist groß, dass die Freundin oder die Cousine beleidigt ist, weil sie nicht zu dem engsten Kreis dazugehört. Außerdem ist das Potential für Streitigkeiten zwischen den Partnern groß, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon, welche seiner Verwandten zu dem engsten Kreis dazugehören. Es heißt dann, wenn du deine drei Cousinen einlädst, dann will ich aber auch meine Großtante einladen. Und schon ist man wieder bei fünfzig Hochzeitsgästen und/oder beim Streit.

Der Weg aus dem Dilemma: ein radikaler Schnitt und eine Hochzeit nur mit den Trauzeugen. Einige Freunde und Verwandte von uns waren zwar enttäuscht und traurig, dass es keine Feier gibt, aber wenigstens war niemand beleidigt oder hat sich ausgeschlossen gefühlt. Es gab keine Familienstreitigkeiten und auch keine Streitigkeiten zwischen meinem Partner und mir. Wir hatten dadurch die entspannteste Hochzeit, genauso wie wir es uns gewünscht hatten.

2. Verzichte auf das Hochzeitskleid

Hochzeitskleid

Auch wenn es nicht eindeutig ist, ob das weiße Hochzeitskleid tatsächlich für Jungfräulichkeit steht, verbinde ich mit der Farbe Weiß etwas Mauerblümchenhaftes und Unschuldiges. Weiß hat nun mal eine bestimmte Konnotation. Ich würde auch nie mit einem weißen Blazer zu einem Bewerbungsgespräch gehen und Männer ziehen auch keine weißen Sakkos oder Anzüge an (- und heiraten in schwarzen oder dunklen Anzügen!) Weiß wird jedenfalls nicht mit Stärke und Selbstbewusstsein in Verbindung gebracht. Mal davon abgesehen, dass ich in Weiß auch ziemlich blass aussehen würde. Warum sollte man also ein weißes Kleid anziehen, nur weil es irgendwie eine Tradition ist?

Der Preis

Das weiße Hochzeitskleid war schon immer ein Prunkstück. Daran hat sich auch heute kaum etwas geändert wenn man sich die Preise von Hochzeitskleidern anguckt. Es ist für die meisten Frauen, die sonst nur bei H&M einkaufen, selbstverständlich plötzlich über 1000 Euro für ein Kleid auszugeben, dass nur einmal angezogen wird. Dass die Brautkleider dann höchstwahrscheinlich nicht besonders bequem sind, kommt außerdem noch dazu.

Ich gebe zwar sehr gerne Geld für Klamotten und Schuhe aus, aber sie müssen auch zu mir passen und ich will sie mehr als nur einmal anziehen. Deswegen habe ich entschieden, mir von dem Geld lieber etwas zu gönnen, von dem ich lange etwas haben werde und was ich mir sonst eher nicht kaufen würde. Ich habe mir ein tolles Paar High Heels gekauft, die für ihren stolzen Preis und ihre Absatzhöhe tatsächlich bequem waren. Das ist nämlich der Vorteil an teuren High Heels 🙂  Jedes Mal, wenn ich die Schuhe jetzt anziehe, kann ich außerdem an unsere schöne Hochzeit denken.

3. Hochzeit oder Auto? – Spare 10.000 Euro

Der große Vorteil einer kleinen Hochzeit ist natürlich, dass man unglaublich viel Geld spart. Diejenigen, deren gut-situierte Eltern einen Großteil der Hochzeitskosten übernehmen, können sich glücklich schätzen, dass ihnen ein Fest in der Preisklasse eines Kleinwagens ermöglicht wird. Wir sind schon immer sehr pragmatisch gewesen und hätten uns dann doch eher für den Kleinwagen entschieden. Jedoch bestand für uns gar nicht erst die Möglichkeit, dass sich unsere Eltern an den Kosten für die Hochzeit beteiligen würden. Das heißt, wir hätten die 10.000 Euro für den Veranstaltungsort und das Catering komplett selbst zahlen müssen.

Das kleinere Übel?

Natürlich kann man an den Kosten sparen und beispielsweise einen günstigen Catering-Service engagieren. Aber wir legen sonst auch großen Wert auf gutes Essen und da wäre es für uns befremdlich gewesen, wenn wir ausgerechnet an unserer Hochzeit beim Essen sparen würden. Es wäre dann eine Entscheidung zwischen zwei kleineren Übeln gewesen: eine Budget-Hochzeit mit günstigem Catering oder eine Verschuldung, weil wir einen Kredit hätten aufnehmen müssen.

Auf Grund des Gäste-Dilemmas und der finanziellen Frage hatten wir uns für eine kleine Hochzeit entschieden und konnten somit mit unseren Trauzeugen in ein schickes Sterne-Restaurant gehen, in dem es ausschließlich regionale und saisonale Bioprodukte gibt und außerdem Fleischesser und Vegetarier auf ihre Kosten kommen, was beim Catering (und schon gar nicht beim Budget-Catering) eher nicht der Fall ist. Das Essen an unserer Hochzeit war für uns jedenfalls das Sahnehäubchen.

4. Mach kein großes Ding draus

HochzeitIm Prinzip steht die Frage im Raum wie zeitgemäß Hochzeiten und die Ehe generell noch sind. Denn nicht nur ist die Institution der Ehe diskriminierend gegenüber unverheirateten Personen. Die Ehe beruht außerdem auf patriarchalen Machtverhältnissen. Für Frauen bedeutete die Ehe lange Zeit, dem Mann untergeordnet zu sein. Man denke nur daran, dass Frauen in Deutschland bis 1975 nicht ohne die Zustimmung des Ehemannes einer beruflichen Tätigkeit nachgehen durften, und dass Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 strafbar ist. Die Ehe bedeutete für Frauen außerdem an den privaten Bereich des Haushalts und die Kinderbetreuung gebunden zu sein. Das gleiche passiert auch heute noch, gefördert beispielsweise durch das Ehegattensplitting.

Die Philosophin Claire Chambers argumentiert deshalb für eine Abschaffung der Ehe. Es können zwar dann immer noch Hochzeiten gefeiert werden, aber es gibt nicht mehr nur diese eine Idealform an Beziehung zwischen Eheleuten. Laut Chambers können Beziehungen unterschiedliche Formen annehmen und müssen dementsprechend unterschiedlich reguliert werden. Die Franzosen haben einen Schritt in diese Richtung schon getan.

Die Ehe Light

Frankreich hat eine gute Möglichkeit hervorgebracht mit der Hochzeit und der Ehe umzugehen, in dem sie 1999 den PACS einführten. Man unterzeichnet im dortigen Rathaus innerhalb von ein paar Minuten einen Vertrag, den man noch individuell anpassen kann und schon ist man einem Ehepaar gleichgestellt. Das mag für manchen vielleicht unromantisch sein, aber sicherlich ist das Potential für Drama, Streitigkeit, Stress und finanzielle Sorgen rund um die Hochzeit sehr klein.

 

 

Eine empfehlenswerte Dokumentation zur „Ehe Light“ und der Vor – und Nachtteile des PACS: ZDF- Nachrichten: Ehe Light

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